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Jahresrückblick 2019

Hitzerekorde und Dürre

Die Gesamteinschätzung der Witterung für 2019 lässt sich vom Vorjahr übernehmen: Phasen mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und anhaltende Trockenheit.

Doch der Januar war mit 1,3 °C erstmal der kälteste Monat des letzten Jahres inklusive des Winters 2018/19. Um den 10. fiel etwas Schnee und Ende des Monats gab es sogar eine ganze Woche mit Eistagen und einem absoluten Minimum von -10,1 °C. Dennoch war dieser Monat fast ein Grad wärmer als ein mittlerer Januar im Referenzzeitraum 1961-90. Die Niederschlagssumme lag im Januar etwas über dem Durchschnitt, was aber das große Defizit aus dem Vorjahr bei weitem nicht ausgleichen konnte. Im Februar gab es mit nur 6 mm kaum Niederschlag und so war Trockenheit schon zeitig im Jahr ein Thema. Bereits im April kam es zu Waldbränden an Lobdeburg und Jenzig. Heftiger vielen diese bei Saalburg und im Ilmkreis aus, wo mehrere Tage der Katastrophenfall herrschte. Osterfeuer mussten weitestgehend unterbleiben.

Überraschend kalt, auch kälter als das langjährige Mittel war der Mai. Speziell die ersten Tage des Monats hatten es in sich. Bei Temperaturen teilweise nur knapp über Null und ausgeprägten Schnee-Graupel-Schauern waren in Lobeda Menschen aus aller Welt zum Schnellarchitekturfestival "72 Hour Urban Action" zusammengekommen. Das hatte man sich im Wonnemonat anders vorgestellt.

Im Juni kam dann richtige Hitze. An der EAH wurden zehn heiße Tage mit mindestens 30 °C registriert und am letzten Tag des Monats lag das Maximum sogar bei 38,0 °C. Der Deutsche Wetterdienst stellte einen neuen Allzeitrekord an der Sternwarte im Schillergäßchen von 38,8 °C fest. Mit einem Monatsmittel von 21,6 °C war der Juni sowohl der wärmste Monat des Jahres als auch der wärmste Monat seiner Art seit Beginn der Aufzeichnungen in Jena und Europa. Diese Zuschreibung kam in den letzten Jahren bedenklich oft vor. 2018 betraf es die Monate April und Mai, 2016 den September.

Auch Juli und August waren sehr warm und der bisherige Jahrhundertsommer von 2003 wurde minimal überboten. Am Ende war das ganze Jahr extrem warm und die Jahresmitteltemperatur fiel mit 11,4 °C nur um ein Zehntel geringer aus als im Vorjahr. Damit ist 2019 gemeinsam mit 2014 das zweitwärmste beobachtete Jahr in Jena und Deutschland. Analog zur Lufttemperatur verhielt sich die Globalstrahlung. Die Jahressumme blieb knapp hinter 2018 zurück und der Juni erzielte mit 192 kWh/m² einen neuen Rekordwert.

Die Niederschläge erreichten 2019 mit 495 mm wieder eine recht niedrige Summe. Am 9. September gab es mit 31 mm Regen oberflächlich leichte Entspannung. Dennoch zeigte die Trockenheit zum Teil katastrophale Folgen. An den Hängen des Saaletals fielen an mehreren Orten absterbende Kiefern auf. Die Fichte ist schon länger als problematisch bekannt. Nun sind in Thüringen auch 600.000 Buchen vertrocknet …

Aus aktuellen Anlass sei eine kleine Abschweifung gestattet: Im Oktober 2019 wurde das "Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen, IMPAKT II" veröffentlicht. Kurz danach erschien im November der "Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel". Beide Papiere weisen seit 1881 einen aktuellen Temperaturanstieg von 1,4 K für Thüringen bzw. 1,5 K für Deutschland aus. Das entspricht der oberen Grenze der bisherigen Prognose bei Verwendung der ungünstigsten Szenarien. Umdenken beim Umdenken scheint gefragt.


Tagesmittel Lufttemperatur
Tagesmittelwerte (TM) der Lufttemperatur, EAH Jena 2000 bis 2019



Dieser Text erschien im Frühjahr 2020 in den "facetten" Nr. 40


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